Dies sollte eigentlich zur Veröffentlichung von 1.5 erscheinen, aber ich lebe momentan in kleinen Zeithäppchen, deswegen die Verschiebung.
In der Vergangenheit war es oft nicht einfach, den Leuten zu erklären, warum sie unbedingt einen PC brauchen, denn die paar Briefe lassen sich mit einer (elektronischen) Schreibmaschine oder auch per Hand schreiben und mal ehrlich, wie viele formlose Briefe verschickt der Durchschnittsmensch heutzutage noch? Als Spielekonsole ist der PC auch nicht unbedingt perfekt, das können Konsolen deutlich billiger und unkomplizierter. Filme guckt man auch lieber auf dem Fernseher. Da einen Daseinsberechtigung des PCs für den normalen Anwender zu finden, gestaltete sich zunehmend schwerer. Doch glücklicherweise kam uns das Internet zu Hilfe. Ich behaupte: Das Internet hat den PC gerettet, es hat ihm einen kometenhaften Aufstieg ermöglicht und ist der Grund, warum sich heutzutage Menschen überhaupt noch einen PC kaufen. Ohne Amazon, eBay, die Gebrauchtwagen-Börsen etc. hätten PCs nicht den Stellenwert, den sie heute haben.
Wenn also klar ist, welche große Bedeutung das Internet für den Computer hat, kann die Frage nach dem wichtigsten Programm zwangsläufig nur mit "der Browser" beantwortet werden. Schauen wir uns doch mal an, welches Programm von wirklich jedem verwendet wird, der einen PC benutzt.
- Die Tabellenkalkulation kennt nur eine Minderheit, die meisten kennen das Wort nicht einmal.
- Textverarbeitung kommt der Sache schon näher, aber da nur die wenigsten von uns sich als Autoren sehen, wird sie – wenn’s hochkommt — vielleicht einmal im Monat entstaubt, um einen Brief zu schreiben, und selbst dann fällt mir außer der obligatorischen Bewerbung kein Grund ein, warum man den PC zum schreiben verwenden müsste (wohlgemerkt: Studenten sind hier ausgenommen, ebenso wie die professionellen PC-Nutzer).
- Bildbearbeitung fällt mir noch als Stichwort ein, aber das wird wohl sogar von noch weniger Leuten privat verwendet.
- E-Mail? Zum Internet gehört natürlich auch E-Mail, aber nur die allerwenigsten wissen, dass man dazu auch ein eigenes Programm verwenden kann, das ist ein Werkzeug für Poweruser.
Was bleibt ist der Browser. Ausnahmslos jeder, den ich kenne, benutzt den Browser mehrmals in der Woche, praktisch jedes Mal, wenn er am PC sitzt.
Man kann sich die Bedeutung auch ganz einfach klar machen, wenn man sich anschaut, wann die Leute dafür zahlen, einen Computer nutzen zu dürfen. Mir fällt ehrlich gesagt nur ein einziger Fall ein: Das Internet-Café. Und was ist auf den Rechnern installiert? Richtig: Ein Browser. Manche haben auch noch einen Instant-Messenger, aber was immer vorhanden ist, ist der Browser. Die Leute zahlen nur dann, um einen PC zu benutzen, wenn sie einen Browser verwenden möchten.
Manche werden vielleicht widersprechen und sagen, dass doch das Betriebssystem das wichtigste ist, aber das ist leicht zu widerlegen. Wenn ich Firefox verwende, merke ich in den meisten Fällen überhaupt nicht, welches Betriebssystem ich verwende. An der Uni ist auf den Rechnern Linux mit Firefox installiert, auf meinem Notebook läuft ein Windows XP mit Firefox. Der Unterschied beim Verwenden von Firefox ist gleich Null. Mir ist es das nicht, aber den allermeisten Anwendern (99%?) ist es total egal, was dahinter läuft.
Die Menschen kommunizieren heute nur noch zu einem sehr geringen Teil mit ihrem Betriebssystem. Meistens starten sie ihren Rechner und haben nach einigen Minuten eine grafische Oberfläche vor sich, von der aus sie bloß noch auf ein Symbol klicken müssen, um den Browser zu aktivieren, ab da ist der Kontakt mit dem Betriebssystem unterbrochen und der Anwender kann nicht mehr sagen, ob er Windows, Linux oder Mac OS benutzt. Selbst das Drucken geschieht aus der Anwendung heraus.
Die Zukunft liegt im Web, das ist keine Frage, Dienste wie Flickr, Gmail und Google Maps treiben das Konzept immer weiter und den User immer stärker ins Netz. Das E-Mail-Programm ist nur noch ein Werkzeug für Experten, beim Durchschnittsuser kommt schon lange nur mehr Webmail an, das ist der erste Schritt. Es gibt keinen Grund, warum nicht auch die Textverarbeitung ins Internet rutschen sollte, es fehlt bisher nur der richtige Anbieter. Da ich selbst schreibe, weiß ich, dass reine Textverarbeitungsprogramme nicht aussterben werden, genauso wenig wie E-Mail-Programme, aber mit der Zeit wird es für den Durchschnittsuser keinen Sinn mehr ergeben, extra ein Programm zu installieren, nur um einen Brief zu verfassen, er braucht 80% der Funktionalität gar nicht.
Man muss sich der Bedeutung des Browsers im klaren sein, denn dies ist die Arena, um die sich in den nächsten Jahren alle reißen werden. Es ist ein verdammt harter Markt, ein Markt, auf dem es eigentlich nur vier Anbieter gibt: Microsoft, Opera, Mozilla und KDE/Apple.
Ein Betriebssystem ohne Browser ist heute nur noch wenig wert, dabei gehören Browser heutzutage zu den kompliziertesten Programmen überhaupt. Es gibt einen Grund, warum SUN oder IBM keine eigenen Browser erstellen und auch bei Apple hat man sich nicht getraut, einen Browser sozusagen „von Null“ zu erstellen. Wenn wir uns die aktuellen Browser angucken, wird eins klar: Sie sind nicht neu. Microsoft hat seinen Browser bereits vor zehn Jahren gekauft (und vieles neu geschrieben), Opera hat 1994 als Forschungsprojekt angefangen, KHTML erst um 1998 und Mozilla – naja, die Geschichte ist kompliziert. Momentan sieht jedenfalls nichts danach aus, dass noch weitere Anbieter in den Markt einsteigen werden, die Anfangsinvestitionen wären für fast jedes Unternehmen einfach untragbar.
Was an dieser Sache erstaunlich und erfreulich zugleich ist: Open Source hat hier, in diesem so wichtigen Bereich, eindeutig die Nase vorn. Sie ist die Speerspitze der Anwenderfreundlichkeit und der Innovation. Ein OpenSource-Programm ist es, dass die Richtung angibt, es ist nicht abgekupfert und eifert keinem Vorbild nach. Es ist das Vorzeigeprogramm schlechthin. Nicht Apple hat für diesen Bereich das meistgeliebte Programm, sondern die OpenSource-Community! Es gibt kein Marktsegment, in dem Microsoft jemals signifikant zurückgedrängt worden wäre, nachdem sie sich eine Quasi-Monopol-Stellung aufgebaut haben und jetzt passiert es ausgerechnet in diesem Segment. Wenn ich von bis zu 40% Marktanteil bei Spiegel-Online lese und unabhängige Studien von mindesten 27% in Deutschland reden, wenn ein Anbieter nach dem anderen Support für Firefox ankündigt und ich die Erweiterungen sehe, von denen es inzwischen hunderte gibt, dann weiß ich, das hier viele Leute hart gearbeitet und etwas großartiges geschafft haben. Ein Dankeschön an alle, die das getan haben und auch weiterhin tun. Ihr Entwickler, Extension-Autoren, Foren-Moderatoren und Schreiber, Tester und Hilfe-Übersetzer, ihr seid dafür verantwortlich, dass wir nicht mehr abhängig sind und dass die Grenzen des Machbaren nur noch von uns selbst gesetzt werden. Mein tief empfundener Dank an alle, die mir und uns bei der Veröffentlichung von Version 1.5 so sehr geholfen haben.