Monthly Archives: December 2005

Release-Politik

Manche Projekte haben eine ziemlich kranke Release-Politik. Muss man denn wirklich die neue Version von phpBB, die auch noch Sicherheitslücken schließt, ausgerechnet in der Nacht vor Sylvester veröffentlichen? Was mag die Verantwortlichen bewogen haben, ausgerechnet diesen Tag zu nehmen und nicht eine Woche zu warten? Wahrscheinlich wussten sie, dass alle Admins nur darauf warten an Sylvester arbeiten zu dürfen. Ich kann es mir nicht erklären. Na, jetzt hab ich wenigstens morgen etwas zu tun, und ich dachte schon, ich müsste mich an Sylvester langweilen. Danke phpBB-Team, optimales Timing!

Keine Mails

Es scheint, dass seit zwei Tagen der Mailserver der Uni-Duisburg-Essen ausgefallen ist. Ich selbst bekomme keine Mails mehr. Es kann also sein, dass auch keine Mails mehr über das Forum verschickt werden. Kann das jemand bestätigen?

3 Jahre und 3000 Mails später

Dear MLP Staff,

As nobody is working on it up to now, I would like to localize my favorit browser “phoenix” into the geman language. I have never worked on such a projekt until now, and just read that I have to register as a contributer first.

So fing alles vor fast genau drei Jahren und einem Monat am 26.11.2002 um 21:52 Uhr an. Vorgestern hab ich die 3000. E-Mail zum Firefox bekommen und beantwortet. Da musste ich kurz darüber nachdenken, was die kleine und scheinbar unbedeutende Entscheidung da oben alles in Gang gesetzt hat. Ich wünschte, ich könnte mich noch daran erinnern, was ich mir damals davon versprochen habe. Nur eins weiß ich genau: Mein erstes Buch war es definitv nicht.

Es stimmt tatsächlich: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Nicht fertig

So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig erklären,
wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.

J. W. Goethe, Italienische Reise, 16.3.1787

So sehe ich das eigentlich auch, aber nach drei Tagen mit insgesamt vier Stunden Schlaf wirkt alles relativ. Jedenfalls ist das erstmal vorbei. Wenn ich jetzt nicht noch bis 18.30 Uhr Seminar hätte, würd ich eigentlich die nächsten zwei Tage durchschlafen.

Wer mir geschrieben hat und noch auf Antwort wartet, den bitte ich um Geduld, mein Backlog dürfte mich noch einen guten Monat beschäftigen.

Gladio

Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das* Volk dazu bringen, den Staat um grössere Sicherheit zu bitten. Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde, welche ohne richterliches Urteil bleiben, weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann.

*italienische

Vincenzo Vinciguerra, 1990 wegen Mordes an drei Carabinieri verurteilter Rechtsextremist und Gladio-Mitglied

Gladio ging völlig an mir vorbei, ich würds als üble Verschwörungstheorie abtun, wenn nicht Dr. Daniele Ganser, Historiker an der ETH Zürich, mit wissenschaftlicher Akribie alles lupenrein nachgewiesen hätte.

Da kann man glatt paranoid werden :(

FIFA World Cup 2006

So langsam dreht die Werbemaschinerie auf Hochtouren, man kommt ja eigentlich gar nicht mehr umhin, davon zu hören, und so sehr ich auch das Drumherum der WM ablehne, mit der ganzen Hochsicherheits-Ticket-Vergabe, das unfaire Kassieren von Geld im Voraus, das völlig bescheuerte Gebahren bezüglich der Sponsoren: Ich bin dabei. Ich werde als Commentary Assistant, wie es offiziell heißt, auf Schalke die WM begleiten und dafür sorgen, dass ihr Bela Rethy, Kerner und Co. auch anständig hören könnt, wenn ihr denn wollt, außerdem habe die Ehre, ihnen helfen zu dürfen, wenn sie mal wieder von der Technik völlig überfordert sind.

Im Oktober gab es eine Einführungsveranstaltung und da konnte man schon sehr schön sehen, dass das eigentlich Wichtige nicht das Spiel auf dem Feld ist, sondern die Menschen, die von der ganzen Welt aus hier nach Deutschland kommen werden. Ich bin schon auf all die neuen Leute gespannt, die ich kennen lernen kann, obwohl mich weniger freut, dass ich mich von der Produktionsgesellschaft ausbeuten lasse, die ganz ordentlich daran verdient und uns nur eine mikrige Aufwandsentschädigung zahlt, weil viele sogar dafür bezahlen würden, mitarbeiten zu dürfen. Danke, Günter Netzer!

Ein Plädoyer für den Browser

Dies sollte eigentlich zur Veröffentlichung von 1.5 erscheinen, aber ich lebe momentan in kleinen Zeithäppchen, deswegen die Verschiebung.

In der Vergangenheit war es oft nicht einfach, den Leuten zu erklären, warum sie unbedingt einen PC brauchen, denn die paar Briefe lassen sich mit einer (elektronischen) Schreibmaschine oder auch per Hand schreiben und mal ehrlich, wie viele formlose Briefe verschickt der Durchschnittsmensch heutzutage noch? Als Spielekonsole ist der PC auch nicht unbedingt perfekt, das können Konsolen deutlich billiger und unkomplizierter. Filme guckt man auch lieber auf dem Fernseher. Da einen Daseinsberechtigung des PCs für den normalen Anwender zu finden, gestaltete sich zunehmend schwerer. Doch glücklicherweise kam uns das Internet zu Hilfe. Ich behaupte: Das Internet hat den PC gerettet, es hat ihm einen kometenhaften Aufstieg ermöglicht und ist der Grund, warum sich heutzutage Menschen überhaupt noch einen PC kaufen. Ohne Amazon, eBay, die Gebrauchtwagen-Börsen etc. hätten PCs nicht den Stellenwert, den sie heute haben.

Wenn also klar ist, welche große Bedeutung das Internet für den Computer hat, kann die Frage nach dem wichtigsten Programm zwangsläufig nur mit "der Browser" beantwortet werden. Schauen wir uns doch mal an, welches Programm von wirklich jedem verwendet wird, der einen PC benutzt.

  • Die Tabellenkalkulation kennt nur eine Minderheit, die meisten kennen das Wort nicht einmal.
  • Textverarbeitung kommt der Sache schon näher, aber da nur die wenigsten von uns sich als Autoren sehen, wird sie – wenn’s hochkommt — vielleicht einmal im Monat entstaubt, um einen Brief zu schreiben, und selbst dann fällt mir außer der obligatorischen Bewerbung kein Grund ein, warum man den PC zum schreiben verwenden müsste (wohlgemerkt: Studenten sind hier ausgenommen, ebenso wie die professionellen PC-Nutzer).
  • Bildbearbeitung fällt mir noch als Stichwort ein, aber das wird wohl sogar von noch weniger Leuten privat verwendet.
  • E-Mail? Zum Internet gehört natürlich auch E-Mail, aber nur die allerwenigsten wissen, dass man dazu auch ein eigenes Programm verwenden kann, das ist ein Werkzeug für Poweruser.

Was bleibt ist der Browser. Ausnahmslos jeder, den ich kenne, benutzt den Browser mehrmals in der Woche, praktisch jedes Mal, wenn er am PC sitzt.

Man kann sich die Bedeutung auch ganz einfach klar machen, wenn man sich anschaut, wann die Leute dafür zahlen, einen Computer nutzen zu dürfen. Mir fällt ehrlich gesagt nur ein einziger Fall ein: Das Internet-Café. Und was ist auf den Rechnern installiert? Richtig: Ein Browser. Manche haben auch noch einen Instant-Messenger, aber was immer vorhanden ist, ist der Browser. Die Leute zahlen nur dann, um einen PC zu benutzen, wenn sie einen Browser verwenden möchten.

Manche werden vielleicht widersprechen und sagen, dass doch das Betriebssystem das wichtigste ist, aber das ist leicht zu widerlegen. Wenn ich Firefox verwende, merke ich in den meisten Fällen überhaupt nicht, welches Betriebssystem ich verwende. An der Uni ist auf den Rechnern Linux mit Firefox installiert, auf meinem Notebook läuft ein Windows XP mit Firefox. Der Unterschied beim Verwenden von Firefox ist gleich Null. Mir ist es das nicht, aber den allermeisten Anwendern (99%?) ist es total egal, was dahinter läuft.

Die Menschen kommunizieren heute nur noch zu einem sehr geringen Teil mit ihrem Betriebssystem. Meistens starten sie ihren Rechner und haben nach einigen Minuten eine grafische Oberfläche vor sich, von der aus sie bloß noch auf ein Symbol klicken müssen, um den Browser zu aktivieren, ab da ist der Kontakt mit dem Betriebssystem unterbrochen und der Anwender kann nicht mehr sagen, ob er Windows, Linux oder Mac OS benutzt. Selbst das Drucken geschieht aus der Anwendung heraus.

Die Zukunft liegt im Web, das ist keine Frage, Dienste wie Flickr, Gmail und Google Maps treiben das Konzept immer weiter und den User immer stärker ins Netz. Das E-Mail-Programm ist nur noch ein Werkzeug für Experten, beim Durchschnittsuser kommt schon lange nur mehr Webmail an, das ist der erste Schritt. Es gibt keinen Grund, warum nicht auch die Textverarbeitung ins Internet rutschen sollte, es fehlt bisher nur der richtige Anbieter. Da ich selbst schreibe, weiß ich, dass reine Textverarbeitungsprogramme nicht aussterben werden, genauso wenig wie E-Mail-Programme, aber mit der Zeit wird es für den Durchschnittsuser keinen Sinn mehr ergeben, extra ein Programm zu installieren, nur um einen Brief zu verfassen, er braucht 80% der Funktionalität gar nicht.

Man muss sich der Bedeutung des Browsers im klaren sein, denn dies ist die Arena, um die sich in den nächsten Jahren alle reißen werden. Es ist ein verdammt harter Markt, ein Markt, auf dem es eigentlich nur vier Anbieter gibt: Microsoft, Opera, Mozilla und KDE/Apple.

Ein Betriebssystem ohne Browser ist heute nur noch wenig wert, dabei gehören Browser heutzutage zu den kompliziertesten Programmen überhaupt. Es gibt einen Grund, warum SUN oder IBM keine eigenen Browser erstellen und auch bei Apple hat man sich nicht getraut, einen Browser sozusagen „von Null“ zu erstellen. Wenn wir uns die aktuellen Browser angucken, wird eins klar: Sie sind nicht neu. Microsoft hat seinen Browser bereits vor zehn Jahren gekauft (und vieles neu geschrieben), Opera hat 1994 als Forschungsprojekt angefangen, KHTML erst um 1998 und Mozilla – naja, die Geschichte ist kompliziert. Momentan sieht jedenfalls nichts danach aus, dass noch weitere Anbieter in den Markt einsteigen werden, die Anfangsinvestitionen wären für fast jedes Unternehmen einfach untragbar.

Was an dieser Sache erstaunlich und erfreulich zugleich ist: Open Source hat hier, in diesem so wichtigen Bereich, eindeutig die Nase vorn. Sie ist die Speerspitze der Anwenderfreundlichkeit und der Innovation. Ein OpenSource-Programm ist es, dass die Richtung angibt, es ist nicht abgekupfert und eifert keinem Vorbild nach. Es ist das Vorzeigeprogramm schlechthin. Nicht Apple hat für diesen Bereich das meistgeliebte Programm, sondern die OpenSource-Community! Es gibt kein Marktsegment, in dem Microsoft jemals signifikant zurückgedrängt worden wäre, nachdem sie sich eine Quasi-Monopol-Stellung aufgebaut haben und jetzt passiert es ausgerechnet in diesem Segment. Wenn ich von bis zu 40% Marktanteil bei Spiegel-Online lese und unabhängige Studien von mindesten 27% in Deutschland reden, wenn ein Anbieter nach dem anderen Support für Firefox ankündigt und ich die Erweiterungen sehe, von denen es inzwischen hunderte gibt, dann weiß ich, das hier viele Leute hart gearbeitet und etwas großartiges geschafft haben. Ein Dankeschön an alle, die das getan haben und auch weiterhin tun. Ihr Entwickler, Extension-Autoren, Foren-Moderatoren und Schreiber, Tester und Hilfe-Übersetzer, ihr seid dafür verantwortlich, dass wir nicht mehr abhängig sind und dass die Grenzen des Machbaren nur noch von uns selbst gesetzt werden. Mein tief empfundener Dank an alle, die mir und uns bei der Veröffentlichung von Version 1.5 so sehr geholfen haben.

Urteile, die die Welt nicht braucht

Nach diesem Urteil ist mir wirklich ein wenig mulmig zumute mit dem Forum, dem Wiki und diesem Blog. Bei allen dreien wäre ich ganz alleine hafttbar zu machen. Dabei reichen meine finanziellen Rücklagen nichtmal aus, um eine kostenpflichtige Abmahnung zu bezahlen, geschweige denn die Prozesskosten für die erste Instanz. Ich werde mir nach dem Abschluss des Buches wirklich Gedanken machen müssen, ob ich das Riskio noch zu tragen bereit bin. Bisher war es ja schon sehr gewagt, von nun an ist es jedenfalls reiner Leichtsinn mit dem ich mich von jetzt auf gleich finanziell ruinieren könnte.

Welche Alternativen es geben könnte, weiß ich noch nicht, aber im schlimmsten Fall fallen wir halt auf das Usenet zuück. Traurig, aber Realitiät in Deutschland :(