Im Grunde genommen kauft man sich ja einen PC nicht, um die Hardware oder das Betriebssystem zu bestaunen, sondern wegen der Programme die darauf laufen sollen. Hier also mein Eindruck von der Software-Szene für Mac OS:
Generell ist der Wechsel der Prozessor-Architektur ein gewaltiger Schritt und man muss Apple wirklich beglückwünschen, dass ihnen das so dermaßen gut gelungen ist, dass man kaum Klagen darüber hört. Trotzdem komme ich an dieser Stelle nicht umhin, anzumerken, dass bestimmte Software einfach noch nicht angepasst ist und deswegen sozusagen mit angezogener Handbremse fährt. Photoshop ist hier das bekannteste und wohl auch größte Problem. Allerdings ist das eine Sache, die hoffentlich bald ausgestanden sein wird.
Bei den meisten Programmen, die bisher auf dem Mac verwendet habe, muss ich wirklich sagen, dass sie nicht nur optisch sehr ansprechend sind, sondern auch einfach funktionieren, so wie man es erwartet und nicht erst nach dem Studium von zehn FAQs und der Hilfe. Allerdings: Während es für Windows und natürlich für Linux kostenlose Software – sei es freie Software oder Freeware – en masse gibt, scheint eine solche Kultur unter Mac OS fast gänzlich zu fehlen – praktisch alles kostet einen haufen Geld. Und während sich Windows-Programmierer mit vielleicht 10 Euro für Shareware begnügen, kostet Mac-Shareware gleich das doppelte. Für einen einigermaßen brauchbaren Texteditor, der einem unter Linux praktisch hinterhergeschmissen wird muss man hier genauso blechen wie für so etwas blödes, wie einen Maustreiber, damit die extern angeschlossene Maus angemessen beschleunigt wird und man sich keinen Krampf mit ständigen ziehen derselbigen holt.
Das ist natürlich ein Nachteil, der daher rührt, dass Mac OS nunmal ein Nischensystem ist. Daraus ergibt sich leider auch, dass bestimmte Software gar nicht für Mac OS zu kriegen ist. Ich habe unter Windows sehr gerne Paint Shop Pro verwendet, aber das läuft unter Mac OS einfach nicht. Viel mehr hat mich allerdings überrascht, dass es gar keinen ordentlichen graphischen CVS-Client zu geben scheint. Das macht mir die Arbeit unnötig viel schwerer, als sie sein müsste.
Die Software aber, die ich am meisten vermisse, ist Picassa. Klar gibt es unter Mac OS mit iPhoto auch eine Bilderverwaltung, aber die ist im Vergleich mit Picassa geradezu lächerlich. Ich habe etwas mehr als 9000 Bilder und damit ist iPhoto schlicht überfordert. Die Geschwindigkeit von Picasssa hat mich schon immer fasziniert, aber erst seit ich iPhoto benutzt habe, weiß ich, wie schnell und intuitiv Picassa ist. Zudem sieht es auch noch sehr ansprechend aus – auch vergleichen mit Mac-Anwendungen. Es ist eigentlich das Programm, das iPhoto hätte sein sollen – sein müssen. Ich wage sogar zu behaupten, dass Picassa momentan die absolut beste Bilderveraltung ist, die zu haben ist: Es kann von jedem verwendet werden, sieht verdammt klasse aus, ist stabil, schnell, intuitiv und kostenlos – was will man mehr? Vor allem hat man aber in Picassa gerade die richtige Anzahl an Reglern, um ein Bild zu korrigieren, mehr braucht’s zum einfachen korrigieren nicht und wer mehr will, wird sicher zu PhotoShop oder PaintShopPro greifen. Was das Programm aber für mich unverzichtbar gemacht hat: Das vergeben von Sternen. Zusammen mit der Geschwindigkeit konnte ich so innerhalb kürzester Zeit aus 600 Bildern die dreißig markieren, die ich behalten und entwickeln lassen wollte. Seitdem ich mit dem Mac arbeite, habe ich viel fotografiert und das hängt nicht zu letzt damit zusammen, dass die Arbeit nach dem übertragen der Bilder auf den Rechner einfach nicht mehr so schnell erledigt ist wir früher, das hemmt einen ganz unbewusst. Mir fehlt Picassa wirklich. ;(
Ich wollte noch etwas über den Mac-Lock-in schreiben, den Apple mit itunes, iPhoto, Keynote und Co. betreibt, aber ich glaube, das Review ist so schon negativ genug. Eigentlich ist es sogar wesentlich negativer als es sein sollte, denn der Umstand, dass ich mein MacBook immer noch habe und darauf kein Windows installiert habe, sollte zeigen, dass ich im Grunde doch zufrieden bin und noch Hoffnung für die nahe Zukunft habe. Allerdings werde ich nie zu einem der Apple-Fans, die ich während der letzten zwei Monate viel stärker wahrgenommen habe. Apple ist für mich immer noch eine Firma, die viel gutes produziert, aber auch manch wirklich miserables zu verantworten hat und ganz sicher bin ich in dieser Hinsicht nicht religiös.