Monthly Archives: February 2007

FOSDEM 2007

Nur noch wenige Stunden bis zum Abflug, dann bin ich hoffentlich für die diesjährige FOSDEM in Brüssel. Letztes Jahr ist es ja nicht nur für mich etwas unglücklich gelaufen. Die FOSDEM ist eine wirklich beeindruckende Veranstaltung, so viele interessante Leute konzentriert an einem Ort findet man selten. Schade nur, dass dieses Jahr niemand vom Open Office oder Subversion dabei ist. Ich würde gerne mit jemanden meine Idee von der visuellen History besprechen. Sei es auch nur, um zu hören, wie blöd sie ist.

Eigentlich wollte ich ja schon länger Fotos schießen, aber irgendwie fehlte doch immer etwas. Ich finde, wenn ich schon Fotos von Schweden zeige, dann sollte auch Schnee darauf zu sehen sein. Leider musste ich ziemlich lange darauf warten, aber gestern war es dann soweit. Leider hat es aber recht heftig geschneit (wie vielleicht einige auch in den Nachrichten mitbekommen haben), so dass die Sicht nur recht kurz war, dafür war es heute Morgen wunderschön: eine hohe weiße Schneedecke und klare Sicht; Fotos folgen in den nächsten Tagen.

Fotos

Wer sich schon immer Mal gefragt hat, wie wohl ein Zimmer in einem modernen schwedischen Studentenwohnheim aussieht, hat jetzt die Möglichkeit, seine Neugier zu befriedigen. Hier eine kleine Vorschau, den Rest gibt es bei Flickr:

Zimmer

Firefox 2.0.0.2 RC5

Gestern ist der fünfte Release Candidate für Firefox 2.0.0.2 erschienen. Weil wir beim letzten Mal unerwartete Probleme mit der deutschen Version hatten, wäre es schön, wenn diese Version besonders intensiv von unserer Community getestet werden könnte. Mozilla hat dafür ein spezielles Programm (Litmus), das sich abarbeiten lässt, mehr dazu gibt’s im Forumsposting von Amsterdammer.

Zum Download:

Installer für Windows

Mac-Version

Linux-Version

Du

An das duzen hier muss man sich wirklich erst gewöhnen. Gestern in der Vorlesung: Ein Kommilitone geht in der Pause zum Prof (ja, es gibt hier Pausen) und begrüßt ihn mit: “Hallo Morton, hast du meine E-Mail bekommen?”. Ich muss zugeben, ich war ziemlich verdutzt, klar kenne ich die Regel, dass hier nur der König gesiezt wird, aber auf die Idee, den Prof zu duzen wäre ich nicht gekommen, irgendwie gibt es da noch eine psychologische Hemmschwelle. Einerseits finde ich es zwar eine sehr gute Idee, es schafft ein freundlicheres Umfeld, viele kommen so von ihrem hohen Ross runter und das anstrengende Taktieren zwischen siezen und duzen entfällt, andererseits hat es aber auch etwas trügerisches und oberflächliches. Der Chef ist nunmal der Vorgesetzte und hat mehr Macht, da hilft auch alles duzen nichts, man steht eben nicht auf der selben Stufe, wenn es hart auf hart kommt.

Trotzdem hat es etwas erfrischendes und vor allem an der Uni kann es einem doch die Angst vor der Institution nehmen und vor allem den falschen Respekt vor Autoritäten, man grüßt eben Morton und nicht Prof. Dr. Fjeld.

Lunch Menu und Afterwork

In Schweden scheint es genau zwei Möglichkeiten zu geben, günstig zu Essen: Lunch Menu und Afterwork.

Lunch Menu bieten fast alle Restaurant und Cafés zwischen 11.00 und 14/15.00 Uhr an. Das ganze kostet um 8 Euro, dafür gibt es dann zum Beispiel ein offenes Buffet, von dem man so viel Essen kann, wie man will oder ein anderes besonderes Angebot, jedenfalls wird man satt davon. Wer das gegen 12.00 hinter sich gebracht hat, der kann am Abend ab 17.00 bis etwa 19.30 nochmal richtig reinhauen, dann bieten die Bars Afterwork an, d.h. man zahlt für die Garderobe (eigentlich ist es Eintritt) etwa 2 Euro und kann dann wieder vom offenen Buffet so viel Essen, wie man möchte, gezahlt wird nur für die Getränke. Leider gibt es das so viel ich weiß nur während der Woche, so dass man sich am Wochenende entweder den Hunger für Montag holt oder selbst kochen muss.

Ja, Schweden ist, was Convenience-Food betrifft, leider noch Schwellenland. Hier und da sieht man schon, dass es in die richtige Richtung geht, aber im Endeffekt kommt man ums selber kochen doch nicht drum rum. Ich wünschte mir einen Edeka-Markt hierhin, das würde die Sache perfekt machen. Dass ich nach vier Jahren tatsächlich mal lernen müsste, wie man kocht, hätte ich nicht gedacht.

Google at Charm

Eigentlich dachte ich ja, dass ich hier an der Göteborger Uni studieren würde, aber es hat sich dann herausgestellt, dass es hier mehrere Universitäten gibt, die zusammenarbeiten. So werden die eher technischen Fächer wie Maschinenbau, Physik oder Informatik in (bei/auf?) Chalmers angeboten. Das ganze hat etwas von einer Elite-Uni, jedenfalls merkt man schon den Unterschied zwischen GU und Chalmers, vor allem in der Austattung. Wobei ich das Gefühl habe, dass das eher von großzügigen Sponsoren (sprich: Drittmittel) herrührt. Entsprechend gibt es auch den Volvo-Room etc. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Universitätsausbildung in Schweden immer noch komplett kostenlos ist (hört man mich in NRW?).

Jedenfalls gibt es hier einen jährlichen Arbeitsmarkt namens Charm (=Chalmers Arbeitsmarktirgendwas), es werden dann dutzende Firmen eingeladen, die sich hier den Studenten und angehenden Absolventen präsentieren. Eher aus Spaß hab ich im Verzeichnis nach Google gesucht (no pun intended) und war schon etwas überrascht, den Namen gelistet zu sehen. Da ich an dem Tag ohnehin auf dem Campus war, wollte ich wenigstens nach einem Praktikumsplatz fragen.

Google dürfte den kleinsten Stand gehabt haben und es war nur ein Repräsentant da, den ich dann auch gleich angsprochen habe (besonders großen Zulauf hatten die nicht). Die Antwort war ziemlich ernüchternd: Angeblich würden sie nur Leute nehmen, die sich 100%ig auf Informatik einlassen, da ich aber neben Computerlinguistik noch Germanistik und Politik habe, würde das wohl nicht funktionieren. Stattdessen wollte er mir eine Stelle im Verkauf einreden, was ich wiederum strikt abgelehnt habe. Er war so überzeugt, dass ich keine Chacne hätte, dass er mir bei meinem Abschied nicht mal eine Google-Tasche angeboten hat (nicht dass ich sie genommen hätte, aber trotzdem).

Ich frage mich, wie man als Computerlinguist nur Informatik studieren soll, es ist doch völlig klar, dass Linguistik einen recht großen Platz einnehmen muss. In Duisburg/Essen kann man CL nur studieren, wenn man auch eine Sprache studiert, da die CL bei uns tatsächlich nur Informatik beinhaltet. Andererseits war das nur ein Repräsentant, der Computer-Linguistik vielleicht nur von weitem kennt und nicht wirklich repräsentativ ist (pun intended).

Redesign von Rückgängig/Wiederherstellen

Es passiert selten, aber heute habe ich eine Bitte an meine Leser: Im folgenden geht es um ein neues Design, an dem ich mit einer Gruppe arbeite. Die Funktion dürfte jeden betreffen, der Texte am Computer schreibt. Ich möchte euch deswegen bitten, den folgenden Text zu lesen (zumindest den vorletzten Absatz) und mir zu sagen, was ihr von der Idee haltet.

Heute haben wir mit der Gruppenarbeit angefangen. Eigentlich waren die Gruppen ja schon aufgeteilt, als ich hier verspätet ankam, aber ich war nicht der einzige und so kam doch noch eine Gruppe von drei zustande.

Unsere Aufgabe besteht darin, für den Human-Computer-Interaction-Kurs entweder ein Design zu evaluieren oder selbst etwas zu designen. Beim Lesen des Buches kam mir eine Idee, die von der Gruppe angenommen wurde und an deren Design wir jetzt arbeiten. Es geht um die Edit-History. Jeder kennt das: Wenn man zum Beispiel in Word (oder in jeder anderen Textverarbeitung) einen Text schreibt, kann man mit den Button “Rückgängig” in der Edit-History zurück gehen und mit dem Button “Wiederherstellen” geht’s wieder zum aktuellen Stand. Leider hat sich diese Art des Zugriffs auf die Dokument-History seit der Einführung des Konzepts kaum geändert (weiß jemand zufällig, wann das eingeführt wurde?).

Generell gibt es ein paar Beschränkungen, die früher vielleicht nötig waren, heute aber dank immenser Rechen- und Speicherkapazität eigentlich nicht mehr bestehen sollten. So ist es bei ausnahmslos allen Textverarbeitungen (die ich kenne) der Fall, dass die Dokument-History nicht mitgespeichert wird. Wer ein Dokument schließt und wieder öffnet, verwirkt die Möglichkeit des “Undos”, des rückgängig machens. Warum eigentlich, ist Speicherkapazität heute wirklich so knapp?

Ein anderes Beispiel ist automatisches Speichern. Früher war es aufgrund der Langsamkeit der Speichermedien/Prozessoren und des fehlenden Multitaskings nicht möglich, einen Text immer mitzuspeichern, der User wäre ständig unterbrochen worden und hätte nicht mit dem Programm arbeiten können. Heute gibt es keinen Grund mehr für diese Beschränkung und tatsächlich gibt es gerade auf dem Mac schon einige Programme, die einfach immer mitspeichern und deswegen gar keinen Speichern-Button mehr haben. Das Konzept des Speicherns ist auch völlig unintuitiv. Wenn ich etwas auf meiner Schreibmaschine schreibe, muss ich auch nicht erst den Speichern-Knopf drücken, es wird auf dem Papier gespeichert, in dem Moment, in dem ich auf eine Taste der Schreibmaschine drücke. Genau so sollten auch Textverarbeitungs-Programme heute funktionieren, leider sieht die Realität anders aus.

Nach alle diesem Vorgeplänkel aber jetzt zu meiner Idee: Die Idee ist, dass die Dokumenten-History immer mitgespeichert werden sollte und der Zugang zu dieser History massiv vereinfacht werden muss. Gerade wenn man ein Dokument über ein halbes Jahr bearbeitet, ist die aktuelle Methode nicht zumutbar. Mein Vorschlag: Ein History-Slider, der ähnlich aussieht wie ein horizontaler Scrollbalken, beim verschieben nach links aber in der Zeit zurückgeht und nach rechts in der Zeit nach vorne. Wenn ich also den Scrollbalken nach links ziehe, kann ich mir in “Echtzeit” anzeigen lassen, wie mein Dokument vor einer Woche aussah. Beim Ziehen nach rechts kann ich dann zusehen, wie sich das Dokument entwickelt hat.

So muss man sich keine Gedanken machen, wenn man einen Absatz überschreibt, und ihn später vielleicht doch noch mal
lesen möchte. Als Vielschreibe spüre ich die Beschränkungen aktueller Textverarbeitungen sehr deutlich. Wenn ich einen Text schreibe, dann bin ich mehr mit dem Umschreiben beschäftigt, als mit dem eigentlichen Schreiben. Jedes Mal wenn ich einen Absatz umformulieren möchte, hab ich aber den Gedanken im Kopf “und was, wenn die aktuelle Formulierung doch besser war?”. Entweder muss ich dann eine neue Version des Dokuments anlegen oder ein paar Sätze in einem anderen Dokument zwischenspeichern, beides eigentlich nur unzureichende Hilfskonstruktionen.

Was meint ihr, ist die Idee es Wert, umgesetzt zu werden?

A broken oven, broken design

Gerade bin ich dabei, mein Papier für die HCI-Übung zu schreiben (Einrichten von Zeit/Datum bei einem Wecker), da stolpere ich über diesen Beitrag. Wenn ich einen Drucker hätte, würd’ ich das gleich für meinen Prof. ausdrucken. Solche Beispiele führen einem erst wirklich vor Augen, warum Design in jeder Phase eines Produkts eine Rolle spielen muss. Vor allem, wenn es eine Interaktion zwischen System und User gibt.

Leider kann ich die Seite genauso wenig ausdrucken, wie mein Papier für die Übung, “ich ‘abe gar keinen Drucker”. Morgen muss es abgegeben werden, mal schauen, ob die Bibliothek etwas anbietet.

Von nun an werde ich übrigens auch wieder unregelmäßig bloggen. Ich bin jetzt seit etwas über zwei Wochen hier und das scheint so ungefähr die Zeit zu sein, die man braucht, um in den Alltag hineinzufinden, auch wenn man davor noch völlig fremd war und alles so neu. Natürlich hat Göteborg noch eine Menge zu bieten, das ich noch nicht gesehen habe, aber das hat Duisburg auch. Momentan bin ich zudem viel zu sehr mit meiner Vorlesung beschäftigt, als das ich die Stadt wirklich kennen lernen könnte. Außerdem ist es kalt. Irgendjemand hatte mir mal erzählt, dass es hier auch bei niedrigen Temperaturen nicht so kalt sei wie in Duisburg, weil das Klima feuchter wäre: Blödsinn! Es hat gerade 0 Grad und ich hab das Gefühl zu erfrieren (die Schweden sehen das natürlich ganz anders: siehe offene Brust).

15. Tag: Nachbarschaftshilfe.

Gestern hab ich meinen Nachbarn kennen gelernt, aber nicht auf dem Flur, sondern an der Uni, beim Sprachkurs. Wir waren die ersten, die da waren und kamen ins Gespräch. Er kommt aus München und studiert Physik, hier hat er seine Vorlesungen auch in Chalmers. Irgendwann erzählte ich ihm von meinem Wohnheim und dass ich bei drei meiner Nachbarn nicht mal wüsste, ob sie überhaupt schon da wären, weil ich sie nie gesehen hätte. Als ich erwähnte, dass ich in Kviberg wohne, sagte er, dass er auch da wohnt. Haus 8 – ebenfalls. Erdgeschoss, rechter Flügel – genau. Schon komisch, zwei Wochen lang mit jemandem Tür an Tür zu wohnen und ihn dann erst wo ganz anders zufällig kennen zu lernen. Von ihm hab ich den Tipp bekommen, dass es fünf Stationen weiter stadtauswärts ein Lidl gibt, wo ich heute auch war. Ich hab mir Tiefkühl-Pizza gekauft. Endlich wieder richtige Pizza mit Thunfisch, Zwiebeln und richtigem Käse, Gauda; ich kann Mozzarella inzwischen nicht mehr sehen.

14. Tag: Zigaretten und Alkohol

Ich finde ja Schwedens Politik, was Alkohol und Zigaretten angeht, sehr interessant. Ich weiß nicht, ob sie sie nur extrem hoch besteuern oder ob sie auch Präventionsarbeit leisten, zum Beispiel in Schulen. Jedenfalls scheint es zu wirken, man sieht praktisch kaum einen Schweden mit einer Zigarette in der Hand – was für ein Unterschied zu Deutschland!

Vielleicht lieg es ja auch am hohen Preis, dass die Schweden ihr Bier öl nennen. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, was öl auf Schwedisch heißt (vielleicht Bier?). Jedenfalls wird auch Alkohol ziemlich strikt gehandhabt. Mehr als öl gibt’s im Supermarkt nicht, stärkeres gibt’s nur in speziellen staatlichen Läden, in die man erst ab 20 reingelassen wird. Die nächste Hürde: Ein Bier gibt’s in der Kneipe ab 4 Euro aufwärts, und in viele Klubs kommt erst ab 25. Selbst dann ist es gesetzlich verboten, Kunden reinzulassen, die offensichtlich angetrunken sind.