Monthly Archives: March 2007

How to make everyone hate you in one step

Es kommt selten vor, aber diesmal hab ich es schon in der ersten Woche geschafft, mich in der Vorlesung unbeliebt zu machen. Meine Vorlesung “Algorithmen-Design” hat letzte Woche angefangen, die erste Veranstaltung war recht interessant und der Dozent nicht allzu langweilig, also bin ich auch zur zweiten Veranstaltung. Leider war ich ein paar Minuten zu spät und versuchte mich möglichst unauffällig zu setzen. Doch diesmal war die Vorlesung anders: Ich verstand überhaupt nichts! Das lag aber nicht an erster Linie an meinen bescheidenen Mathematik-Kenntnissen, sondern daran, dass der Dozent durchgängig Schwedisch sprach. Als ich ihn dann darauf ansprach, sagte er, dass das für ihn leichter wäre, als alles noch einmal zu übersetzen. Dann fragte er, ob sonst noch jemand kein Schwedisch spricht: absolutes Schweigen. Von den vielleicht 80 Anwesenden war ich der einzige. “Okay, dann geht’s auf Englisch weiter”, sagte er und alle blickten in meine Richtung. Sie sahen nicht erfreut aus.

Billig-Fluggesellschaft

Es gibt ja Firmen, die sind wirklich, wirklich dreist. Ryan-Air zähle ich inzwischen dazu. Wenn man dort Online-Checkin auswählt, darf man zwar kein Gepäckstück aufgeben, dafür aber 6 Euro Gebühr zahlen. Denn: Man muss sich ja am Flughafen nicht mehr anstellen, es wird einem allen Ernstes als “Bevorzugte Behandlung beim Einstieg” verkauft. Dass Ryan-Air sich die Abfertigung und damit Personal spart, ach naja.

Random Notes

Da ich sonst wohl kaum noch zum Bloggen komme, hier ein paar Gedanken zur letzten Woche:

IKEA: Das IKEA hier hat Selbstbedienungskassen. Wenn man weniger als 15 Artikel hat, kann man sie selbst an einer dieser Kassen einscannen und dann mit Karte zahlen. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Einerseits muss man dann nicht ewig an der Kasse anstehen, andererseits geht schon wieder ein Stück Service den Bach runter. Dass die Preise deswegen nicht sinken werden ist ja klar.

Brötchen: Die Schweden essen belegte Brötchen im Café mit Messer und Gabel. Wenn man dann daneben sitzt und das Brötchen in beiden Händen hat, kommt man sich wie ein Neandertaler vor. Der hat aber wahrscheinlich keine 5 Euro für ein Käsebrötchen gezahlt.

Schwedisch-Klausur: Am Freitag war die Schwedisch-Klausur. Der Lehrer sagte, dass man am Wochenende eine E-Mail bekommen würde, wenn man die Klausur verhauen hätte. Ich habe keine Mail bekommen. In falscher Anwendung von Logik gehe ich also davon aus, dass ich bestanden habe.

Paper: Wir haben den Aufsatz zum visuellen Undo/Redo letzte Woche abgegeben, sobald wir ihn wieder bekommen, werde ich die anderen fragen, ob ich ihn hier veröffentlichen kann. Es ist erstaunlich, wie unglaublich komplex selbst eine so scheinbar kleine Funktion sein kann.

Ehrliche Schweden

Ich muss zurücknehmen, was ich letzten Monat über Schweden behauptet habe: Sie sind doch ehrlich. Mein Vater hat mir erzählt, dass ein Brief von der deutschen Botschaft angekommen ist: Ich soll meine Tasche abholen. Aus der Inventarliste geht hervor, dass noch alles drin ist. Das heißt: Jemand hat die Tasche gefunden, den Ausweis gesehen und dann alles zusammen an die deutsche Botschaft in Stockholm geschicht, wo ich sie mir in den nächsten Monaten abholen kann, gut dass ich da ohnehin hinwollte, danke liebe ehrliche Schweden.

Anderes Thema: Ich hab hier eine sehr schöne Tasche von CAT zu verkaufen, kaum genutzt und sehr robust ;)

Chalmers

Heute hat mir ein schwedischer Kommilitone die Uni-Tour gegeben. Ich hatte ja bereits ganz dezent angedeutet, dass bei Chalmers ganz sicher keiner Geldknappheit herrscht, aber der heutige Tag hat mich tatsächlich neidisch gemacht. Leider hatte ich keine Kamera dabei, ihr müsst es mir also einfach glauben: Die Uni hat gleich neben der Turnhalle eine eigene Sauna, kein kleiner Holzkasten, sondern eine richtige ausgewachsene Sauna (und bevor jemand fragt: Es ist kein See in der Nähe. Hier ist Schweden, nicht Finnland.) das besondere Schmankerl liegt aber unterhalb der Turnhalle: ein Swimmingpool. Geeignet für Wasserball, ich nehme an knapp 25 Meter in der Länge. Das beste daran: Jeder Student kann diese Einrichtungen jederzeit nutzen, keine Extrakosten, keine Anmeldung. Sagte ich schon, dass ich ein klitzekleines bisschen neidisch bin?

Momentan bin ich noch dabei, ein Paper zu Ende zu schreiben, ab Montag gibt’s dann auch häufiger wieder Updates.

Kommunikation Nr. 2

Heute in meiner Inbox:

Hallo, würde gerne mein Wissen über und mit dem Compu erneuern. Was habewn Sie zu erzählen?
Mit Grüssen
[Vorname Nachname]

Ich schwöre, ich erfinde diese Mails nicht (inklusive Rechtschreibfehler). Noch hab ich nicht darauf geantwortet, irgendwelche Vorschläge?

Kommunikation

Hier ein Beispiel für eine E-Mail, die ich heute bekommen habe:

Ich bin nicht blind ? Es ist nichts da

Meine Antwort:

Was soll ich denn auf so eine Mail antworten?

Reaktion:

Kann Code nicht lesen,ist nichts vorhanden

Das sind Original-Mails. Ich hab kein einziges Zeichen weggelassen*. So jemandem möchte ich wirklich nicht im RL begegnen.
Es hat sich übrigens herausgestellt, dass er Cookies abgeschaltet hatte und deswegen das Captcha für die Forumsanmeldung nicht sehen konnte.

* okay, ja, die Header

Frauentag

Heute ist internationaler Frauentag. Woher ich das weiß? Während ich heute Abend nichts ahnend im Café saß, um für die Klausur nächste Woche zu lernen, zog plötzlich ein Trupp von 1500* Menschen an mir vorbei. Es ist zwar Frauentag, aber im Demonstrationszug waren auch auffällig viele Männer vertreten, ein großes Transparent lautete: “Männer für Gleichberechtigung”.

Nun finde ich das in mehrfacher Hinsicht interessant und da ich das schon die ganze Zeit hier im Blog mache, drängt sich natürlich ein Vergleich mit Demos in Deutschland an.

Das erste, was mich gewundert hat, war das Polizeiaufgebot. Ich konnte genau einen Streifenwagen beobachten, der vorneweg fuhr, einen Streifenwagen am Ende des Zuges und einen Ansprechpartner der Polizei, der mit gelber Signalweste an der Seite mitlief. Nochmals zur Erinnerung: Wir sprechen hier von 1500* Demonstranten. Aus Duisburg kenne ich Demos, bei denen die Zahl der Polizisten die Zahl der Demonstranten bei weitem übertraf ;) und fast immer sind auch Polizisten mit Kameras unterwegs, die konnte ich hier nicht sehen.

Der zweite Punkt: Die Masse der Demonstranten. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in Duisburg in den letzten Jahren eine Demonstration wegen des Frauentages gegeben hätte, dabei wohne ich schon in der Innenstadt. Falls sie stattgefunden hat, muss sie also wirklich klein gewesen sein (Göteborg und Duisburg haben etwa gleichviel Einwohner). In diesem Zusammenhang besonders interessant: Es gibt kein Land der Welt, in dem die Gleichstellung so weit entwickelt ist wie Schweden.

Tatsache ist: Schweden ist das Land der Welt, in dem die Gleichstellung der Geschlechter am höchsten entwickelt ist. So steht es im Report der Vereinten Nationen über die Fortschritte in dieser Angelegenheit, der seit der Weltfrauenkonferenz in Peking im Zweijahrestakt erscheint. Das Verhältnis von Mädchen zu Jungen in höherer Schulbildung: 98 zu 100. Erwerbsbeteiligung: 51 Prozent. Schweden steht auf Platz eins bei der Beteiligung der Frauen an der Macht, fast die Hälfte der Abgeordneten im Parlament ist weiblich. Ein schwedisches Kabinett besteht aus Tradition zur Hälfte aus Ministerinnen, das Wort war: Tradition. Im Deutschen Bundestag sitzten (sic!) gerade mal 33 Prozent Frauen, sogar Costa Rica hat mehr Frauen im Parlament als wir, die wir auf der Hitliste der Gleichstellung erst auftreten dürfen, nachdem dort nach Schweden bereits Dänemark, Finnland, Norwegen, Island und die Niederlande stehen. [Zeit.de, 19.5.2005]

Obwohl sich die Schweden also eigentlich zufrieden zurücklehnen könnten, bringen sie trotzdem noch so eine Masse an Demonstranten auf die Straße. Das zeigt, dass sie sich bewusst sind, dass man den jetzigen Zustand nicht als selbstverständlich hinnehmen kann und dass man kämpfen muss, um ihn zu bewahren. Wenn sie also schon bei einer nicht akuten Gefahr, so viele Leute auf die Straße bekommen, würde ich gerne mal erleben, wie hier eine Demonstration abläuft, bei der es tatsächlich um etwas spezifisches geht.

Der dritte Punkt: Keine Parteien. Normalerweise werden solche Demos ja gerne von Parteien fürs eigene Image genutzt, aber hier habe ich nicht ein einziges Zeichen einer Partei gesehen. Das heißt nicht, dass die Demo nicht politisch war, auf den Transparenten ging es um Gleichstellung, aber z.B. auch um Ausgrenzung von Alten, 6 Stunden Tag usw.

Ich bin wirklich beeindruckt von der Demo, mir zeigt sie, dass die Schweden ein anderes Verständnis von Demokratie haben
als wir in Deutschland. Meine letzte große Enttäuschung in Duisburg war die Studentendemo gegen Studiengebühren: Maximal 30 Teilnehmer, bei 12.000 eingeschriebenen Studenten, fast so viele Polizisten wie Demonstranten und das, obwohl Umfragen zeigten, dass der größte Teil der Studenten gegen die Gebühren war.

*Grobe Schätzung meinerseits

Resistance is not Terrorism

Heute ist mir auf dem Flughafen von Düsseldorf ein T-Shirt aufgefallen. Ich konnte den Träger leider nicht von vorne sehen, aber die Aufschrift auf dem Rücken war:

Resistance is not Terrorism

Vor einiger Zeit hätte ich noch andere Gedanken zu diesem Spruch gehabt, als nach der Aktion in Kopenhagen:

Die schwersten Krawalle in Dänemark seit rund 15 Jahren begannen am Donnerstagmorgen, als eine Anti-Terror-Einheit im Innenstadtviertel Nörrebro ein besetztes Gebäude räumte. Dieses hatte seit den 1980er Jahren als Jugend- und Kulturzentrum der Anarchistenszene gedient. Wütende Demonstranten griffen daraufhin die Sicherheitskräfte an. [NZZ, 4.3.2007]

Mir will nicht in den Kopf, wie man eine Anti-Terror-Einheit auf diese Weise gegen die eigene Bevölkerung einsetzen kann, auf die keine mir bekannte Definition des Begriffs Terrorist zutreffen kann. Ist das ein Vorgeschmack auf das, was uns im Europa der Zukunft erwartet? Sind die derzeit erlassenen Gesetze wirklich gegen die gerichtet, die als Begründung dafür herhalten müssen? Auf diese Fragen habe ich heute nicht mehr die selbe klare Antwort wie noch vor ein paar Jahren.