Monthly Archives: July 2007

Brain-Dump

Es tut gut, von Zeit zu Zeit einmal abzuladen, was man so in Gedanken tagtäglich mit sich herumträgt. In diesem Sinne, ohne besondere Ordnung:

In Deutschland wartet man an roten Ampeln. Auch wenn kilometerweit kein Auto zu sehen ist. Geht jemand doch über Rot, muss er wie ein Schwerverbrecher angeguckt werden. Schweden ist anders.

Vistas Sicherheit ist nur vorgegaukelt. Vor kurzem durfte ich ein paar Sachen am neuen Notebook meines Bruders einstellen, es war Vista installiert. Für jede kleine Änderung wurde der Bildschirm abgedunkelt und eine Abfrage “Sind Sie sich auch wirklich sicher” eingeblendet. Nach dem dritten Mal schon hab ich das gar nicht mehr wahrgenommen und einfach nur abgenickt. Selten hab ich ein OS erlebt, das mich derart genervt hat, ich bezweifle, dass es dem Standardanwender anders gehen wird, aber Microsoft kann ja jetzt behaupten, dass das OS sicher ist.

Vor einigen Tagen habe ich mir hier im Open-Air-Kino Vitus angesehen. Wie bringen es deutschsprachige Autoren immer nur fertig, einen Film kurz vor Schluss so derartig zu ruinieren?

Es gibt das Deppen-Apostroph, das -Leerzeichen und den -Bindestrich, warum aber regt sich eigentlich kaum jemand über das Deppen-Fugen-s auf? Zumindest einer tut es: Peter Ernst, seines Zeichen Professor für Germanistik in Wien. In seinem Buch “Germanistische Sprachwissenschaft” wettert er, dass besagtes Fugen-s inzwischen überall wuchere, auch dort, wo es eigentlich nicht hingehört. Um das Problem mal kurz zu umreißen: Man nimmt an, dass sich das Fugen-s aus dem Genitiv-s gebildet hat. Also, Gottes Sohn wird zusammengefasst zu Gottessohn, weil es so häufig verwendet wird (bzw. wurde). Viele Komposita werden im Deutschen aber eigentlich nicht mit Nomen im Genitiv gebildet, Tafelskreide wäre falsch, es heißt Tafelkreide. Trotzdem schleicht sich irgendwie das s in Nahrungsmittel oder Adventskalender und das immer häufiger. Das Ende der deutschen Sprache ist nah! Wenn also niemand schneller ist, werde ich gleich mal die Website www.Deppen-Fugen-S.de reservieren und Bastian Sick vorschlagen mit mir als Co-Autor ein Buch darüber zu schreiben: “Das Fugen-S ist des echten Kompositums Tod”.

Jetzt da ich zurück bin, höre ich auch endlich wieder richtiges Ruhrpott-Deutsch. Heute im Café, Vater und Sohn:
Sohn: Der Christian hat mich total nassgespritzt.
Vater: Nee, datt hasse auch ohne Chrisian seine Hilfe ganz gut geschafft.

James Chapman hat mit “We can create” ein unglaublich geniales Album abgeliefert. Seit einer Woche höre ich das Album rauf und runter, dabei hab ich es ganz zufällig im Radio entdeckt. Tipp: Mit geschlossen Augen im Sessel sitzen und “Lost my Soul” hören, schon fühlt man sich ganz woanders. Was uns zum nächsten Punkt führt:

Bei diesem Wetter wünscht man sich tatsächlich ganz woanders hin, zum Beispiel nach Schweden :) Wie kann es Sommer sein, wenn ich das Fenster nicht aufmachen kann, weil es zu kalt ist? Sollte der Himmel nach soviel Regen nicht irgendwann leer sein? Fragen, denen ich mich eigentlich nicht widmen möchte, also lehne ich mich mal zurück und schließe die Augen. Im Hintergrund läuft gerade “Don’t Fear (the sun)”.

Letzte Grüße aus Schweden

Das ist mein letzter Beitrag von Schweden. Es fühlt sich auf jeden Fall traurig an. Zum Abschluss hat sich Göteborg noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, mit unendlich weitem, blauen Himmel und einem Regenbogen. Ich werde Göteborg sicher vermissen, die vielen gemütlichen Cafés, der fast perfekte ÖPNV, für 5 cent in alle Netze telefonieren und kostenlose SMS in alle Netze, das bedingungslose Duzen, das Pub-Quiz und noch so einiges mehr. Aber die Zeit war gekommen, zu gehen. Die meisten anderen Erasmus-Studenten sind schon abgereist und wie die fantastischen vier ganz richtig sagen:

“So sweet die sweden* auch sind
du bist und bist nicht daheim
Nur irgend irgendwo drin
wie jeder jeder allein”

Eins ist mir mit dem Abschied klar geworden. Beim Erasmus-Semester geht es auch ums Studieren an einer anderen Universität, es geht auch darum, ein anderes europäisches Land kennen zu lernen, aber in erster Linie geht es darum, wen man dabei trifft. Erst mit dem Abschied merke ich, wie sehr wir zusammen gelebt haben und es ist traurig, sich von den Leuten zu verabschieden, mit dem Gedanken, dass man sich vielleicht nie wieder sehen wird.

Wenn man ein fremdes Land besucht, hat man meist gewisse Erwartungen, denen die Realität aber selten gerecht wird. Ich kann sicher behaupten: Schweden hat meine Erwartungen in den letzten sechs Monaten bei weitem übertroffen. Das Erasmus-Semester gehört zusammen mit der Europareise zu den besten Entscheidungen meines Lebens.

*oder so ähnlich ;)

Akzente setzen

Das Studienbuch Linguistik zu Akzenten:

So kann im Schweizerdt. z.B. Emphase zu massiver Längung des Konsonanten der Akzentsilbe führen (“du Ssssáu !!!”)

Heute hab ich auch gelernt, dass das Deutsche einen akzentzählenden Rhythmus hat, während das Französische einem Maschinengewehr-Rhythmus* folgt. Jetzt weiß ich, warum ich Französisch nie leiden konnte.

Übrigens: In 7 Tagen hat mich Deutschland wieder (zumindest für eine Weile).

*Okay, man nennt es auch silbenzählend.