Monthly Archives: February 2008

Bestanden

Gerade bin ich zurück von meiner Prüfung. Es war viel schwieriger, als ich erwartet hatte, aber die beiden Prüfer waren gnädig und ich durfte mir immerhin noch eine 1,3 an die Brust heften. So, jetzt geht es aber weiter mit Firefox 3 L10n, der Hilfe und UNI-Zeug, denn nach der Prüfung ist vor der Prüfung ;)

Deine Schuld

Heute habe ich einen Artikel in der Süddeutschen gelesen, der mich so frustriert hat, dass ich schreien wollte. Die Preise für Grundnahrungsmittel steigen derzeit enorm und damit steigt auch die Zahl der hungernden und verhungernden Menschen. Die wirtschaftsstarken Staaten tragen dazu bei, indem Sie hohe Zölle für Agrarimporte aufstellen, gleichzeitig die eigene Landwirtschaft massiv subventionieren und die Entwicklungsländer dazu zwingen, Zölle für Agrarimporte abzubauen. Damit entziehen sie den landwirtschaftlichen Betrieben in den Entwicklungsländern die Grundlage zum Wirtschaften, was diese Länder auch bei den Grundnahrungsmitteln vom Weltmarkt abhängig macht.

Der zentralafrikanische Bauer kann also absurderweise sein Getreide auf dem Markt seiner Stadt nicht so günstig anbieten, wie der europäische Händler, der sein heftig subventioniertes Getreide von Europa nach Afrika verschiffen lässt. Der Bauer kann sein Land nicht mehr bewirtschaften, verarmt, hungert, verhungert. Dieses abartige System, das nur wenigen nutzt, aber vielen schadet, ist auch das System der Europäischen Union*, wir in der EU sind es also, die dieses System mit aufrechterhalten und für den definitiv vermeidbaren Hungertod von Millionen in den Entwicklungsländern sorgen. Dies sind keine neuen Erkenntnisse, wir wissen, dass wir die Menschen dieser Welt vor dem Tod durch Hunger retten könnten, wenn wir für eine gerechte Verteilung sorgen würden, und doch berührt es uns kaum, wenn wir die völlig unglaubliche Meldung hören, dass letztes Jahr wieder 8 Millionen Menschen verhungert sind. Warum?

Heute, 60 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs werden die Aufseher in den Konzentrationslagern des 3. Reiches als Monster betrachtet, weil sie dem unsäglichen Leid der Inhaftierten mit dem völligen Fehlen von Mitgefühl begegneten. Mitgefühl aber ist es, was den Menschen – und nur den Menschen – auszeichnet. Erst wenn man jemanden als Ballast, Abschaum oder Feind empfindet, aber nicht mehr als Menschen also als einen Gleichen, kann man sich der Empathie entledigen, die den Menschen davon abhält, all die Dinge zu tun, die uns so schwer fallen tatsächlich zu glauben. Mag der Genozid an den Juden noch als Kampf gegen einen Feind aufgefasst worden sein, so kann das für die Eugenik nicht mehr gelten. Das unsagbare Leid, das – nicht nur – Kranken und Behinderten angetan wurde, hatte eine rein rationale Grundlage, schließlich stellte sich die Frage, was sie den Staat und die Gesellschaft kosteten. Man musste die Menschen also nur als Ballast sehen, um sich der Empathie für sie zu entledigen. Doch pure Vernunft darf niemals siegen!

Empfinden wir noch Mitgefühl für die hungernden und verhungernden dieser Welt oder betrachten sie als unnötigen Ballast, auf den wir verzichten können? Werden uns unsere Enkel und Urenkel auch einmal als Monster betrachten, weil wir solches Leid für unsere Mitmenschen mit einem Achselzucken und ohne jegliche Empathie hinnehmen? Die Ärzte haben recht: Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

*Die EU ist nicht der einzige Staat(enverbund), der das Spiel mit den Zollschranken beherrscht, aber da ich mich gerade auf eine Prüfung über die Geschichte der EU vorbereite, wird mir bei solchen Zeitungsmeldungen die Absurdität einiger Eigenheiten der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) noch einmal ganz besonders bewusst.