Monthly Archives: November 2008

Urlaub

Ich bin ab heute bis zum 19.12. im Urlaub und werde zum ersten Mal seit Jahren auch für länger als 3 Tage offline sein. Es sollte im Grunde alles geregelt sein. Falls nicht, bitte ich euch um ein wenig Geduld, ich reagiere dann, sobald ich wieder da bin.

Bis in drei Wochen also.

SUMO im Chat

Am Montag, also vor drei Tagen, haben wir im Firefox-Chat über die Zukunft von SUMO unserem Wiki gesprochen. Hier sind die Ergebnisse der Diskussion:

Seit Kurzem wissen wir, dass das SUMO-Team in SUMO nur Hilfe-Artikel haben möchte, die ein konkretes Problem lösen wie “Ich kann keine Zurück-Schaltfläche sehen”, “meine Lesezeichen sind weg” etc. Poweruser-Artikel dagegen wie “Wie kriege ich die Sidebar auf die rechte Seite?” oder “Wie kann ich mit Stylisch ganze Layouts ändern?” sollen nicht in SUMO, weil diese wieder zu Fragen von unbedarften Usern führen würden, und SUMO soll ja nicht Quelle für Probleme, sondern die Lösung dafür sein.

Ich hatte auf dem Treffen in Barcelona Gelegenheit, mit David Tenser darüber zu sprechen, und ich glaube, ich konnte ihm vermitteln, dass man das nicht so stark begrenzen kann, wenn man nicht gerade ein bezahltes Team hat, das an den Artikeln arbeitet. Wir sehen ja auch im Wiki, dass es einen Bedarf für Poweruser-Artikel gibt. Es wird jetzt also darüber nachgedacht, was man in SUMO dafür tun kann, aber einen konkreten Plan gibt es momentan noch nicht.

Das hat mit einer anderen, generellen Problematik zu tun: Mozilla ist das erste OS-Projekt, das 200 Millionen Anwender weltweit hat. Das ist absolut einzigartig, damit einher gehen aber auch einzigartige Herausforderungen. Support ist so eine Herausforderung. SUMO ist die erste Plattform, dieser Art, die sich — von einer Community getragen — an absolute Anfänger richtet, und so etwas hat es einfach noch nie gegeben. Da hier absolut neues ausprobiert wird, ist nicht zu vermeiden, dass auch Fehler gemacht werden.

Das heißt aber auch, dass wir hier an etwas wirklich interessantem mitarbeiten. Schließlich werden andere Projekte schauen, wie es Mozilla macht, und hoffentlich aus den Fehlern lernen. Wir dagegen müssen manchmal etwas mehr Geduld aufbringen.

Da das Problem der Poweruser-Artikel nicht kurzfristig gelöst sein wird, haben wir momentan 3 Möglichkeiten weiter vorzugehen:

1. Wir betreiben SUMO und Wiki parallel
2. Wir verzichten auf Poweruser-Artikel
3. Wir verzichten auf SUMO.

Wir sind nach zwei Stunden Diskussion zu folgenden 6 Ergebnissen gekommen:

1. Wir behalten sowohl SUMO als auch das Wiki.
2. Poweruser-Artikel bleiben im Wiki, alles andere wird nach SUMO übertragen und dort gepflegt.
3. Wir legen Links vom Wiki nach SUMO, wenn es um Hilfe-Artikel geht.
4. Langfristig soll alles in SUMO integriert werden, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind.
5. Wir brauchen Sicherheit darüber, welche Artikel übersetzt werden sollen und welche nicht, weil sie gelöscht werden. Auf keinen Fall soll umsonst übersetzt werden.
6. Wir brauchen eine Liste, anhand derer wir abschätzen können, welche Übersetzung sich am ehesten lohnt.

Die Protokolle der beiden Diskussionen im Wortlaut:
Protokoll der Sitzung um 15 Uhr
Protokoll der Sitzung um 22 Uhr

Medizinische Mythen

Man mag es kaum glauben, aber auch Jahrzehnte nachdem bekannt geworden war, dass Spinat mitnichten zu enormer Muskelbildung beiträgt oder gar einen hohen Eisengehalt hat, wurde mir genau das noch erzählt. Inzwischen dürfte wohl bekannt sein, dass man das Kind lieber zu Schokolade zwingen sollte, wenn man denn unbedingt auf eine stark eisenhaltige Ernährung wert legt. Doch andere Mythen halten sich noch hartnäckig. Hier findet sich eine Sonderausgabe der BMJ mit dem sprechenden Titel ” Medical myths”, die solchen Mythen den Kampf ansagt. Meine absoluter Favorit: Wir verwenden nur 10% unserer Hirnleistung. Offenbar wird das schon seit 1907 verbreitet. Wo immer ich die Aussage las, konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, wie man das wohl gemessen hatte. Immerhin hieße das ja, dass man Hirnleistung absolut messen kann und sogar das theoretische Maximum angeben kann. Und wer einen Hirnschaden erlitten hat, wird sicher nicht bestätigen können, dass 90% des Hirns nutzlos im Kopf liegt.

Aber einige andere Mythen sind auch nicht schlecht: Jeden Tag 2 Liter Wasser trinken. So lange schon hatte ich ein schlechtes Gewissens, weil ich mich zwingen müsste, um das jeden Tag zu erreichen. Vreeman und Carroll erlösen alle, denen es ähnlich geht: Offenbar ist das komplett frei erfunden, zuviel Wasser kann sogar tödlich sein. Dabei wird gleich noch ein anderer Mythos vom Thron gestoßen: Kaffein entwässert. Von wegen!

Ich muss sagen, dass ich seit der Lektüre viel entspannter lebe. Ich mache mir keine Sorgen mehr, dass ich mir die Augen verderben könnte, zu wenig trinke oder zu wenig Eisen zu mir nehme. Für werdende Eltern sollte ein Kurs verpflichtend sein. indem über diesen Quatsch aufgeklärt wird. Ein Heer von Psychiatern könnte sich sinnvollen Aufgaben zuwenden.

Umgang mit Communites

Vor kurzem hat heise.de sehr schön vor Augen geführt, wie man mit einer Community nicht umgeht. Dabei ging es darum, dass man alle Forenbeiträge löschen wollte, die vor mehr als 2 Jahren geschrieben worden waren. Offenbar war man sich der Brisanz der Sache gar nicht bewusst, denn nach einer Woche heftiger Proteste der User wurde zurückgerudert: Die Beiträge bleiben erhalten. Als jemand, der selbst seit über 5 Jahren ein Forum betreibt, konnte ich mich über die Naivität bei Heise nur wundern. Wenn man user generated Contet erlaubt — und nicht anderes ist ein Forum — muss man sich im Klaren darüber sein, dass man damit auch eine Verantwortung übernimmt, eine Verantwortung den Beiträgen der User gegenüber.

Natürlich werden 99% der geschriebenen Forenbeiträge schon nach zwei Wochen vergessen und niemals wieder gelesen, und natürlich ist der allergrößte Teil es auch nicht Wert, in irgend einer Weise aufbewahrt oder archiviert zu werden, aber und das ist ein großes Aber: Ein Forum ist mehr als die Summe seiner Teile. Jeder einzelne Beitrag formt erst das Ganze, jeder einzelne Beitrag trägt zur Forenkultur, zum kollektiven Forengedächtnis bei. Und jeder einzelne Beitrag wurde von einem Menschen geschrieben, für manche Threads haben diese Menschen mehrere Stunden ihres Lebens geopfert. Egal was die Nutzungsbedingungen sagen: Die Beiträge gehören den Menschen, sie zu löschen heißt sie zu berauben, es heißt sie ihrer digitalen Vergangenheit zu berauben. Wer keine Vergangenheit hat, hat auch keine Identität.

Im Jahr 2003 wurde mein absolutes Lieblingsforum “dasforum.de” geschlossen und damit gingen Jahre an bester Diskussion komplett verloren. Verantwortlich war ein Anwalt, der ein geschütztes Gedicht eines Mandanten über die Google-Suche in irgendeinem alten Thread gefunden hatte. Da Deutschland auch damals noch ein Entwicklungsland war, was das Internetrecht angeht, wurde der Betreiber zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung gezwungen. Und wie verhindert man, dass noch einmal jemand ein geschütztes Gedicht in ein Forum postet? Genau: In dem man das Forum schließt. Das Forum war kein kommerzielles Projekt, und nachdem der Betreiber schon privat viel Geld verloren hatte, wollte er sich keinem weiteren Risiko mehr aussetzen.

So weit verständlich, aber damit waren sämtliche Beiträge, die in jahrelanger Arbeit von der Community geschrieben worden waren, von einer Minute zur nächsten für genau diese Community nicht mehr erreichbar. Ich selbst habe ein paar Texte verloren, an denen ich wirklich sehr gehangen gehabe. Die Community hat dann ein neues Forum gestartet, und sehr viele Mitglieder der alten Community haben tatsächlich den Neubeginn gewagt, aber es war eben nicht mehr das selbe, und die Community zerfiel mit der Zeit einfach. Dem neuen Forum fehlte eine Geschichte, auf die man sich hätte berufen können. Auch ganz konkret: Wenn im alten Forum gerade etwas weniger los war, konnte man in die Archive gehen und sich stundenlang durch die sehr interessanten alten Threads lesen. Man konnte schauen, wie die alten Hasen sich bei ihren ersten Gehversuchen angestellt hatte und wie sich das Forum zu dem entwickelt hatte, was es aktuell war.

Kurz gesagt: Eine Community aufzubauen kostet Zeit. Diese Zeit ist einfach nötig und sie lässt sich nicht abkürzen. Der Berg an Informationen, der sich in dieser Zeit bildet, ist für die Community von enormer Bedeutung, und er gehört ihr. Niemand bei Verstand würde sich die eigenen Wurzeln abschlagen, das Löschen dieser Informationen kommt dem sehr nah.

Übrigens: Lost Threads, Smalltalk, Schaltzentrale etc. sind nicht meine Erfindungen. R.I.P. dasforum.de