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Das iPad

Apple hat also das iPad herausgebracht. Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht, was aber auch nicht verwunderlich ist. Was wurde nicht alles spekuliert: Es sollte die User anhand ihrer Gesichter erkennen, den Comic-Markt retten, den Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt neu definieren und viele noch verrücktere Sachen mehr.  Tut es aber alles nicht.

Ich bin nur aufgrund einer Sache enttäuscht: Apple hätte das Zeug zu mehr gehabt, aber sie haben sich am niedrigen Preis orientiert. Das war bisher unüblich für Apple, sie hatten schon immer einen eher teuren MP3-Player, ein eher teures Smartphone, teure MacBook Airs etc. Man zahlt ja den Preis, wenn man dafür so etwas wie das iPhone bekommt, aber beim iPad ist Apple das Risiko nicht eingegangen. Damit wird man noch einmal 2 oder 3 Jahre warten müssen, bis ein wirklich brauchbares Gerät auf den Markt kommt, mit GPS, Kamera für Video-Chats, VoIP-Fähigkeit etc.

Davon abgesehen ist das iPad doch ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist wie das iPhone eher ein Gerät zum konsumieren, nicht zum kreieren. Ich surfe damit durchs Netz, lese Bücher, spiele damit, schau mir Videos an etc. Aber meine Photos bearbeite ich auf dem Mac und meine Texte schreibe ich dort. Die Software-Tastatur ist eher ein Feigenblatt, auch Apple konnte mit keiner guten Lösung für das härteste Problem von Tablet-Computern aufwarten: Die Texteingabe. Alles was wir wissen ist: weder Handschriftenerkennung, noch Spracherkennung, noch Softkeyboards sind der richtige Weg. Es werden wohl noch ein paar Jahre ins Land gehen, bevor jemandem eine gute Lösung dafür einfällt.

Der Erfolg des iPads steht und fällt mit dem Content, der auf dem Gerät zur Verfügung steht, denn im Gegensatz zum iPhone (Telefon) ist es keine Notwendigkeit, und etwas ähnliches steht schon zur Verfügung (Notebook). An dieser Stelle wird deutlich, warum Apple in das Geschäft mit Datacentern einsteigen möchte. Wenn ich ein iPad habe, dann möchte ich das Gerät in die Hand nehmen und Zugriff auf all die Inhalte haben, die mir auf dem Mac oder auf meinem iPhone zur Verfügung stehen. Wenn ich etwas auf dem iPhone bearbeite, dann muss mir der Inhalt wiederum auf dem Mac oder dem iPhone zur Verfügung stehen. Letzen Endes muss es egal sein, welches Gerät ich gerade verwende, die Inhalte müssen überall und überall auf dem selben Stand zur Verfügung stehen. Nur, und wirklich nur dann kann das iPad wirklich ein Teil meines Lebens sein, sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Derzeit erlebe ich selbst, wie das auf dem iPhone passiert. Meine meistgenutzten Apps synchronisieren sich automatisch über das Internet, ohne dass ich dafür etwas tun muss. In einigen Fällen liegen die Daten eh schon im Netz und die Apps sind nur eine mögliche Oberfläche dafür. Das verschafft mir die Möglichkeit, nahtlos vom iPhone auf den Mac zu wechseln und die Anwendungen tatsächlich immer und überall benutzen zu können. Eine wichtige Anwendung macht das leider nicht, ich muss mich selbst  drum kümmern, und das ganze über WLAN. Natürlich tue ich das nicht, als Konsequenz sind die Daten entweder auf dem Mac oder auf dem iPhone nicht aktuell, das ist frustrierend.

Wenn Apple das zumindest mit den eigenen Anwendungen in den Griff bekommt, dann wird das iPad ein riesiger Erfolg. Auch ich sitze Abends lieber mit einem Tablet auf dem Sofa als im Bürostuhl am Schreibtisch, um mir ein Video anzugucken, die Tageszeitungen zu überfliegen oder ein ebook zu lesen. Dafür gebe ich auch Geld aus, aber nicht, wenn ich ständig ans syncen denken muss, was ich eh vergesse.