5 Gründe gegen eBook-Reader

Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, einen eBook-Reader zu kaufen. Das iPad, aber auch Sonys Reader und natürlich der Kindle sind extrem verlockend, aber es gibt noch zu viele Probleme, die mich vom Kauf abhalten. Die wichtigsten 5:

  1. Wenn ich wissenschaftliche Aufsätze lese, muss ich exakt zitieren können. E-Book-Reader haben aber keine Seiten, jeder Reader bricht den Text anders um. Dies betrifft insbesondere PDFs. Die meisten Aufsätze heutzutage liest man als PDF. Fast alle Reader konvertieren diese PDFs in ein eigenes Format und ändern den Umbruch, damit man nicht horizontal scrollen muss. Sehr angenehm zum lesen, aber absolut unbrauchbar, wenn man zitieren möchte.
  2. Ebenfalls ein Problem beim wissenschaftlichen Arbeiten: Das Markieren. Ja, viele Reader erlauben es, Markierungen zu setzen oder Notizen in den Text zu schreiben, aber einerseits sind die Möglichkeiten beschränkt und andererseits ist diese Funktion nicht standardisiert. Wenn ich einmal anfange, Markierungen und Notizen in einem Reader oder in einer App anzulegen, bin ich auf ewig den Launen des Anbieters ausgeliefert, die Transaktionskosten für einen Wechsel zu einem anderen Anbieter steigen ständig an und ich trage auch noch selbst dazu bei. Diese Funktion ist so essenziell, dass die Anbieter sich zusammenraufen und auf einen Standard einigen müssen. Er muss nicht perfekt sein, aber er muss Cross-Plattform sein.
  3. DRM. 3 Buchstaben, die den Erfolg von kommerzieller Musik im Internet behindert haben, und die mich davon abhalten eBooks zu kaufen. eBooks kosten genauso viel wie Papier-Bücher, aber ich bin nicht etwa der Besitzer dieser eBooks, sondern erhalte nur die Lizenz zum Lesen. Sollte der Anbieter, bei dem ich diese Lizenzen gekauft habe, aufhören, ist völlig unklar, was mit den Büchern passiert. Wer DRM-Musikstücke gekauft hat, kann sich aber wahrscheinlich noch erinnern: Sie sind dann weg. Ich kann also nie sicher sein, die Bücher auch in einigen Jahren noch zu besitzen, selbst wenn ich den vollen Preis bezahlt habe. Zudem hält mich DRM auch noch davon ab, das eBook auf dem Reader meiner Wahl zu lesen, es muss der Reader oder die App des einen Anbieters sein, bei dem ich das eBook gekauft habe.
  4. Damit ist auch schon das nächste Problem angesprochen. Die Auswahl an eBooks ist an sich beschränkt. Bei weiten nicht jedes Buch ist auch als eBook erhältlich, nicht einmal absolute Weltbestseller wie die Harry-Potter-Reihe. Was aber noch schlimmer ist: Jeder Anbieter hat eine andere Auswahl an eBooks, Was Amazon fehlt, findet sich bei Apple, was denen fehlt, gibt es bei Sony, und umgekehrt. Damit bin ich gezwungen, unterschiedliche Apps oder Reader zu verwenden, wenn ich Zugriff auf alle eBooks haben möchte. Und wenn Apple ein neues Gerät auf den Markt bringt, beispielsweise ein iPad, muss ich hoffen, das Amazon auch seine App für das iPad anbietet, sonst bin ich aufgeschmissen. Andersherrum bietet Apple gar keine App für das Amazon Kindle, und Sony ist eine Insel.
  5. Zu guter letzte sind da auch noch technische Beschränkungen. Entweder man bekommt nur schwarz-weiß oder man ist bereit, beim Lesen in eine Taschenlampe zu starren. Das iPad hat einen normalen TFT-Bildschirm, der hintergrundbeleuchtet ist. Zum einen ist die Auflösung viel geringer als bei einem normalen Buch, zum anderen schaut man aus nächster Nähe in eine Lichtquelle, das ermüdet die Augen und führt bei vielen nach einer Weile zu Kopfschmerzen. Zudem ist damit die Akkulaufzeit auch stark begrenzt. Reader wie der Kindle sind in der Hinsicht besser, die Auflösung ist so hoch wie bei einem Buch und der Text ist auch ohne Hintergrundbeleuchtung lesbar, dafür dauert der Seitenwechsel eine gefühlte Ewigkeit, und man kann dem Gerät dabei zuschauen, wie er die Seite neu aufbaut. Außerdem muss man bereit sein, in der Zeit zurück zu reisen, als die Welt noch schwarz-weiß war, denn die aktuellen eReader-Displays sind allesamt Monochrom. Diagramme, Grafiken oder gar Fotos kann man also vergessen.

Fazit: Ich würde zu gerne schon heute auf eBooks umsteigen, die Vorteile liegen auf der Hand, aber noch überwiegen die Nachteile. Keines der genannten Probleme ist unlösbar. Der Markt für eBook-Reader ist extrem viel versprechend, die technischen Probleme werden früher oder später gelöst werden, der Erfolg wird dann größtenteils davon abhängen, ob alle Beteiligten ihre Gier unter Kontrolle halten können. Die Musikindustrie hat es leider nicht rechtzeitig geschafft und schafft sich im Zuge gerade selbst ab. Hoffen wir, dass Verlage und Reader-Anbieter daraus gelernt haben.

2 thoughts on “5 Gründe gegen eBook-Reader

  1. Pingback: Autorenexpress: E-Book-Reader, was spricht dagegen? » Hier, Gründe, E-book-Reader, Aber, Baustelle, Einfach » autorenexpress

  2. Sonja

    Vielen Dank an atopal für seine 5 Gründe noch auf einen vernünftigen Reader zu warten. Leider treffen diese auch heute, mehr als ein Jahr später, immer noch exakt zu. Auch ich möchte gerne einen ebook Reader haben. Aber die genannten Punkte, wie auch das Software-“Gefummel”, das nicht weniger, sondern mehr zu werden scheint, hält mich ab.
    Warten wir halt noch ein Jahr. Die Industrie hat anscheinend Zeit genug und ist nicht auf des Kunden Geld angewiesen…

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