Category Archives: Göteborg

Letzte Grüße aus Schweden

Das ist mein letzter Beitrag von Schweden. Es fühlt sich auf jeden Fall traurig an. Zum Abschluss hat sich Göteborg noch einmal von seiner besten Seite gezeigt, mit unendlich weitem, blauen Himmel und einem Regenbogen. Ich werde Göteborg sicher vermissen, die vielen gemütlichen Cafés, der fast perfekte ÖPNV, für 5 cent in alle Netze telefonieren und kostenlose SMS in alle Netze, das bedingungslose Duzen, das Pub-Quiz und noch so einiges mehr. Aber die Zeit war gekommen, zu gehen. Die meisten anderen Erasmus-Studenten sind schon abgereist und wie die fantastischen vier ganz richtig sagen:

“So sweet die sweden* auch sind
du bist und bist nicht daheim
Nur irgend irgendwo drin
wie jeder jeder allein”

Eins ist mir mit dem Abschied klar geworden. Beim Erasmus-Semester geht es auch ums Studieren an einer anderen Universität, es geht auch darum, ein anderes europäisches Land kennen zu lernen, aber in erster Linie geht es darum, wen man dabei trifft. Erst mit dem Abschied merke ich, wie sehr wir zusammen gelebt haben und es ist traurig, sich von den Leuten zu verabschieden, mit dem Gedanken, dass man sich vielleicht nie wieder sehen wird.

Wenn man ein fremdes Land besucht, hat man meist gewisse Erwartungen, denen die Realität aber selten gerecht wird. Ich kann sicher behaupten: Schweden hat meine Erwartungen in den letzten sechs Monaten bei weitem übertroffen. Das Erasmus-Semester gehört zusammen mit der Europareise zu den besten Entscheidungen meines Lebens.

*oder so ähnlich ;)

Arbeiten in Göteborg

Ich führe dieses Blog ja nun schon im vierten Jahr und immer wieder gab und gibt es Phasen, in denen es etwas ruhiger wird. Das Problem an der Sache ist, dass es umso schwerer wird, wieder anzufangen, je länger der letzte Eintrag zurückliegt. Dass ich nichts geschrieben habe, liegt im Grunde auch nicht daran, dass nichts passiert wäre. Schließlich ging unsere Reise ja noch weiter, dann hatten wir hier in Göteborg auch noch den Cortége und den 1. Mai. Leider hab ich das alles nur für mich aufgeschrieben, aber nicht veröffentlicht. Heute gab es allerdings einen Zwischenfall, der ich hier festhalten möchte.

Wenn ich mit anderen Erasmusstudenten spreche, fällt auf, dass praktisch alle ziemlich viel von Schweden halten und interessanterweise haben viele die Absicht, hier in Schweden zu bleiben, sei es, um zu arbeiten oder um hier einen Abschluss zu machen. Auch ich hatte bereits mit dem Gedanken gespielt, einige Zeit hier zu verbringen und vielleicht hier meine Dissertation zu schreiben (wohlgemerkt, ich hab noch nichtmal meine Magisterarbeit geschrieben), allerdings war das alles noch nicht konkret.

Heute saß ich wie jeden Tag im Café (eine andere Geschichte) und war dabei, das Rucksackproblem in perl zu lösen, als Jemandem am Nachbartisch zufällig mein Buch auffiel. Er fragte mich, ob Deutsch meine Muttersprache sei und ob ich einen IT-Background hätte, etc. Jedenfalls kamen wir ins Gespräch und er fragte mich, ob ich Lust hätte in seinem Unternehmen zu arbeiten. Er erklärte dann, dass das Unternehmen, für das er arbeitet, auch deutsche Kunden hat (Deutsche Bahn, Lufthansa, etc.) und jemanden sucht, der Deutsch als Muttersprache spricht und einen IT-Background hat. Er erzählte mir dann noch etwas mehr von dem Unternehmen, aber es läuft darauf hinaus, dass ich in Göteborg bleiben und hier arbeiten würde. Ich hab mich zwar noch nicht entschieden, aber in jedem Fall ist das eine Sache, die ich hier festhalten wollte.

Kiruna, Tag 2

Wir haben heute eine Fahrt mit dem Hundeschlitten gemacht und uns danach die Kirche hier angesehen, die von außen wie ein Sami-Zelt aussieht (angeblich). Später waren wir dann im berühmten Ice-Hotel. Momentan gibt’s nur Bilder, später schreib ich auch noch was dazu. Morgen früh um 7.30 geht’s nach Stockholm, hoffentlich ist die Startbahn eisfrei, gestern hat’s hier noch geschneit.
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Kiruna

Ich bin gerade in Kiruna, mit J. zusammen sind wir tatsächlich die 22 Stunden mit dem Zug gefahren. Es ist jetzt früher Abend, wir sind vor vier Stunden ausgestiegen, aber mir dreht sich trotzdem noch alles. Morgen wollen wir Hundeschlitten reiten, dann ins größte Erzbergwerk Europas (mit Museum 500 Meter unter der Erde) und vielleicht noch zum Eishotel. Sollte ich einen Elch sehen, werde ich ihn schießen – mit dem Fotoapparat natürlich.

Deutschland-Schweden

Woran erkennst du, dass du in Deutschland bist?
Es ist Ostersonntag. Es ist über Kilometer hinweg kein Auto zu sehen. Die Einbahnstraße ist 10 Schritt breit. Fünf Leute warten geduldig an einer roten Ampel.

Woran erkennst du, dass du in Schweden bist?
Jemand fährt mit seinem Golfsack an dir vorbei – auf einem Fahrrad.

Ersteres hab ich letzte Woche Sonntag in Deutschland erlebt. Übrigens: In Schweden gehört zu jeder Ampel auch ein Zebrastreifen, und er wird genutzt. Letzteres hab ich vorigen Donnerstag auf der Fahrt vom Flughafen gesehen.

Ich muss wohl aufpassen, dass ich nicht zu sehr ins Schwärmen komme, aber dazu ist ja noch Gelegenheit, übermorgen geht’s nach Kiruna, weit über dem Polarkreis. Wenn es nur halb so schön ist, wie auf den Schären von Göteborg, wird es sich lohnen. Hier ein paar Bilder von den wirklich unglaublich schönen Inseln und der typischen Schweden-Idylle dort. Die Bilder sind gestern entstanden, bei 20 Grad :)
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Übrigens: Manchmal ist es wirklich interessant, was sich aus einem unbedarften Kommentar so alles entwickeln kann.

How to make everyone hate you in one step

Es kommt selten vor, aber diesmal hab ich es schon in der ersten Woche geschafft, mich in der Vorlesung unbeliebt zu machen. Meine Vorlesung “Algorithmen-Design” hat letzte Woche angefangen, die erste Veranstaltung war recht interessant und der Dozent nicht allzu langweilig, also bin ich auch zur zweiten Veranstaltung. Leider war ich ein paar Minuten zu spät und versuchte mich möglichst unauffällig zu setzen. Doch diesmal war die Vorlesung anders: Ich verstand überhaupt nichts! Das lag aber nicht an erster Linie an meinen bescheidenen Mathematik-Kenntnissen, sondern daran, dass der Dozent durchgängig Schwedisch sprach. Als ich ihn dann darauf ansprach, sagte er, dass das für ihn leichter wäre, als alles noch einmal zu übersetzen. Dann fragte er, ob sonst noch jemand kein Schwedisch spricht: absolutes Schweigen. Von den vielleicht 80 Anwesenden war ich der einzige. “Okay, dann geht’s auf Englisch weiter”, sagte er und alle blickten in meine Richtung. Sie sahen nicht erfreut aus.

Random Notes

Da ich sonst wohl kaum noch zum Bloggen komme, hier ein paar Gedanken zur letzten Woche:

IKEA: Das IKEA hier hat Selbstbedienungskassen. Wenn man weniger als 15 Artikel hat, kann man sie selbst an einer dieser Kassen einscannen und dann mit Karte zahlen. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Einerseits muss man dann nicht ewig an der Kasse anstehen, andererseits geht schon wieder ein Stück Service den Bach runter. Dass die Preise deswegen nicht sinken werden ist ja klar.

Brötchen: Die Schweden essen belegte Brötchen im Café mit Messer und Gabel. Wenn man dann daneben sitzt und das Brötchen in beiden Händen hat, kommt man sich wie ein Neandertaler vor. Der hat aber wahrscheinlich keine 5 Euro für ein Käsebrötchen gezahlt.

Schwedisch-Klausur: Am Freitag war die Schwedisch-Klausur. Der Lehrer sagte, dass man am Wochenende eine E-Mail bekommen würde, wenn man die Klausur verhauen hätte. Ich habe keine Mail bekommen. In falscher Anwendung von Logik gehe ich also davon aus, dass ich bestanden habe.

Paper: Wir haben den Aufsatz zum visuellen Undo/Redo letzte Woche abgegeben, sobald wir ihn wieder bekommen, werde ich die anderen fragen, ob ich ihn hier veröffentlichen kann. Es ist erstaunlich, wie unglaublich komplex selbst eine so scheinbar kleine Funktion sein kann.

Ehrliche Schweden

Ich muss zurücknehmen, was ich letzten Monat über Schweden behauptet habe: Sie sind doch ehrlich. Mein Vater hat mir erzählt, dass ein Brief von der deutschen Botschaft angekommen ist: Ich soll meine Tasche abholen. Aus der Inventarliste geht hervor, dass noch alles drin ist. Das heißt: Jemand hat die Tasche gefunden, den Ausweis gesehen und dann alles zusammen an die deutsche Botschaft in Stockholm geschicht, wo ich sie mir in den nächsten Monaten abholen kann, gut dass ich da ohnehin hinwollte, danke liebe ehrliche Schweden.

Anderes Thema: Ich hab hier eine sehr schöne Tasche von CAT zu verkaufen, kaum genutzt und sehr robust ;)

Chalmers

Heute hat mir ein schwedischer Kommilitone die Uni-Tour gegeben. Ich hatte ja bereits ganz dezent angedeutet, dass bei Chalmers ganz sicher keiner Geldknappheit herrscht, aber der heutige Tag hat mich tatsächlich neidisch gemacht. Leider hatte ich keine Kamera dabei, ihr müsst es mir also einfach glauben: Die Uni hat gleich neben der Turnhalle eine eigene Sauna, kein kleiner Holzkasten, sondern eine richtige ausgewachsene Sauna (und bevor jemand fragt: Es ist kein See in der Nähe. Hier ist Schweden, nicht Finnland.) das besondere Schmankerl liegt aber unterhalb der Turnhalle: ein Swimmingpool. Geeignet für Wasserball, ich nehme an knapp 25 Meter in der Länge. Das beste daran: Jeder Student kann diese Einrichtungen jederzeit nutzen, keine Extrakosten, keine Anmeldung. Sagte ich schon, dass ich ein klitzekleines bisschen neidisch bin?

Momentan bin ich noch dabei, ein Paper zu Ende zu schreiben, ab Montag gibt’s dann auch häufiger wieder Updates.